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Dienstag, 30. Dezember 2014

Rallye Dalmatia 2012

40 Kilometer Adrenalin - Die Rallye Dalmatia 2012

Nun ja, nur 40 Kilometer sind für eine Rallye wirklich kein Maßstab, könnte man meinen. Stimmt! Es gibt Rallyes mit wesentlich längeren Wertungsprüfungen, da muss man nicht einmal an die legendäre „Dakar“ denken. Aber es ist bei kaum einer anderen Roadbook- Rallye eine derart genaue „Punktlandung“ gefragt, wenn es bei den Wertungsprüfungen um Sekunden geht. Auf den 10 bis 40 Kilometer langen, zweimal täglich in die Strecke eingebauten Spezialetappen pressen die Sieganwärter die Motoren bis auf das letzte Quäntchen aus, keine Kreuzung darf trotz top Speed verfehlt werden, Anhalten und Suchen fällt sowieso aus. Technische Probleme führen unweigerlich zum Aus für alle Siegeschancen. So lagen die ersten zehn Piloten bei der diesjährigen längsten Prüfung gerade mal 5 Minuten auseinander – purer Stress für Fahrer und Bike!

Immer wieder fasziniert bei der Dalmatia, dass einerseits ganz vorn richtig Gas gegeben werden kann und andererseits auch Einsteiger immer wieder die Möglichkeit haben, mit viel Spaß und wenig Stress an dieser Rallye teilzuhaben. Das Reglement, welches den Rallyetag fast wie eine klassische Enduroveranstaltung regelt, ist eine der wichtigsten Grundlagen für diese Spannweite. Gefahren werden zusätzlich zum ca. 20 km langen Prolog am Sonntag von Montag bis Freitag 4 Tage einschließlich eines Ruhetages am Mittwoch. Die 200 bis knapp 400 Kilometer langen Tagesstrecken werden nach Sollzeit absolviert, der Streckenschnitt von 35km/h ist auch für Einsteiger zu schaffen. Der Start der Wertungsprüfungen dient gleichzeitig als Zeitkontrolle und die Fahrzeiten auf den Sonderprüfungen werden zu den Streckenstrafzeiten addiert. Das Reglement ist damit sehr übersichtlich – der Schnellste gewinnt! Ausschluss gibt es nicht, nur Strafzeiten für ausgelassene Prüfungen und Streckenabschnitte. Da jeden Tag am gleichen Ort gestartet wird – ein Top Hotel im Adria-Badeort Biograd ist der Ausgangspunkt – kann man nach einem Ausfalltag wieder an den Start gehen.

Die 2012er Ausgabe der Rallye hatte eine Menge sehr schneller Sieganwärter auf der Starterliste - immerhin 80 Teilnehmer aus 9 Europäischen Staaten waren am Start. Mit dem Vorjahressieger Joe Müller stritten sich unter anderem der österreichische Dakar-Starter Ferdinand Kreidl und der italienische Rallyestar Marco Borsi um den Gesamtsieg.

Borsi – zum ersten Mal in Kroatien dabei - zeigt der versammelten Konkurrenz gleich beim Prolog, dass der Sieger an ihm vorbeikommen muss und distanziert den Tageszweiten Stefan Heßler schon um mehr als eine Minute. 

Zum ersten Fahrtag geht es bei leichten Nieselregen auf die 200km lange Strecke. Stress ist aber nicht angesagt, der trockene Steinboden verträgt einen Regenguss locker und bleibt griffig. Zwei kurze, fahrtechnisch anspruchsvolle Prüfungen mit malerischen steilen Auf- und Abfahrten in das Tal der Krka sind der Einstieg für die eigentliche Rallye. Marco Borsi wird seiner Favoritenrolle gerecht und landet – fast ganz vorn. Der junge Österreicher Bernhard Pitzl kann die Leistung des Italieners noch toppen und wird Sieger der Tageswertung.

Am Dienstag gibt es dann richtig was auf den Tripmaster: Über 350 Kilometer, bis weit in den Süden Richtung Bosnien, durch fast menschenleere Täler führt die Rallye. Da dieser Tag die Marathonstrecke mit einer Gesamtfahrzeit von 10 Stunden als Schwerpunkt hat, wird nur eine Wertungsprüfung gefahren. Joe Müller muss an diesem Tag leider den Helm an den Nagel hängen – eine alte Schulterverletzung macht das Weiterfahren unmöglich.

Nach dem Ruhetag am Mittwoch sind wiederum knapp 300 Kilometer Roadbook zusammenzukleben – mit über 50 Blättern kommen die „Rollenkisten“ an ihre Grenzen. Die Highlights sind die beiden 20 und 40 Kilometer langen Wertungsprüfungen. Während in der SP1 kreuz und quer durch Ginsterbüsche mit unendlichen vielen Kreuzungen der richtige Weg gesucht werden muss, führt die SP2 spektakulär auf schnellen Passagen quer über den Kamm des Velebit – Gebirges. Ausgerechnet in der SP2, welche mit viel weniger Abzweigungen gespickt ist, verfährt sich der bis dahin mit traumwandlerischer Sicherheit navigierende Borsi und verliert dabei fast unendliche 10 Minuten. Bernhard Pitzl dagegen bleibt cool und schnell – er baut nach diesem Tag seine Führung weiter aus. Auf den Plätzen folgen der Schweizer Luigi Sala und mit dem deutschen Stefan Heßler auch der Führende in der großen Klasse über 180kg Motorradgewicht. Der Führende der Quad –Wertung, Rene‘ Köhler erwischt einen rabenschwarzen Rallyetag und muss nach Notreparaturen an Unterfahrschutz und Tachogeber dem Feld hinterherjagen. Völlig konfus startet er in die 40km, um sich an der Passhöhe auch noch zu verfahren. Erst nach 10 Kilometer bemerkt er den Fehler und jagt die gleiche Strecke wieder bergauf, um gerade noch das Ziel in Wertung zu erreichen. 

Der Freitag bringt mit der „AlanMan“ Sonderprüfung – 15 Kilometer auf losem Schotter bergauf zum Pass des Sveti Rok - noch einmal einen tollen Abschluss. Borsi kann am Alan mit seiner leichten Honda 450 an der Steilauffahrt abkürzen, die Stefan Heßler aus taktischen Gründen genauso wie seine Konkurrenten der +180kg Klasse umfährt. Der Italiener erreicht eine Traumzeit von unter 10 Minuten und kann sich damit in der Gesamtwertung an Heßler und Sala vorbeischieben. 

Zur Siegerehrung gibt’s Sekt und ein „Europabild“: Der Österreicher Bernhard Pitzl (KTM EXC) gewinnt vor dem Italiener Marco Borsi (Honda CRF) und dem Schweizer Luigi Sala (KTM EXC). Bester Deutscher und Sieger der +180 kg Klasse wird Stefan Heßler (DR BIG Rallye) auf Platz 4. Die beste Dame Dominca Saul mit Gesamtplatz 24 kommt ebenfalls aus Deutschland. 

Aber unabhängig ob Pokal oder nicht: Der tosende Applaus bei der abendlichen Siegerehrung zeigt ganz klar: 2013 wollen wir wieder 40km Adrenalin!



TEXT HRT






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